Fehl - und Mangelernährung in der Schwangerschaft Drucken

 

Trotz des überreichlichen Nahrungsangebotes in unserem scheinbaren Schlaraffenland besteht durch einseitige Ernährungsgewohnheiten die Gefahr einer Mangel- und Fehlernährung. In der Schwangerschaft kann eine Unterversorgung mit lebenswichtigen Nährstoffen zu Entwicklungsstörungen und Wachstumsverzögerungen des Ungeborenen führen. Durch typische Mangelerscheinungen steigt das Risiko von Früh- und Fehlgeburten an.

 

Untergewichtige Schwangere haben ein Problem

Besonders gefährdet sind Frauen, die bereits vor der Empfängnis untergewichtig sind und ihre Ernährungsgewohnheiten mit Beginn der Schwangerschaft nicht umstellen. Die wünschenswerte Gewichtszunahme in der Schwangerschaft bei einem niedrigen Body-Mass-Index von 19,8 kg/m2 beträgt 12,5 - 18 Kilogramm. Dies entspricht einer wöchentlichen Gewichtszunahme im zweiten und dritten Trimenon von durchschnittlich 500 Gramm pro Woche. Dagegen wird bei Frauen mit normalem Body-Mass-Index vor der Schwangerschaft von 19,8 - 26 kg/m2 eine Zunahme von 11,5 - 16 Kilogramm empfohlen. Das heißt, eine wöchentliche Gewichtszunahme im gleichen Zeitraum von 400 Gramm ist wünschenswert. Untergewichtige Schwangere tun sich häufig schwer, die erforderliche Steigerung der täglichen Energiezufuhr um 300 - 500 kcal pro Tag zu erreichen. Die Inanspruchnahme einer intensiven Ernährungsberatung ist deswegen sehr empfehlenswert. Als Risikofaktoren einer unzureichenden Ernährung in der Schwangerschaft gelten:

 

  • Jugendliches Alter
  • Essstörungen (Bulimie und Magersucht)
  • 3 Schwangerschaften in zwei Jahren
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Ungünstige sozioökonomische Bedingungen
  • Nikotin-, Alkohol- und Drogenkonsum
  • Spezielle Diät bei chronischen Systemerkrankungen

 

Die Berechnung des Body-Mass-Index:

Angenommen eine Frau ist 1,70 Meter groß und wiegt 65 kg, ergibt sich folgender BMI:
65 : 1,7 x 1,7 = 22,5

Die wünschenswerte Gewichtszunahme während der Schwangerschaft beträgt dann 11,5 - 16 Kilogramm.

 

Qualität statt Quantität bestimmt den Speisezettel

Trotz angepasster Energiezufuhr in der Schwangerschaft können bei falscher Zusammenstellung der Nahrung wichtige Mineralien und Vitamine fehlen. Dies gilt in erster Linie für Folsäure, Jod, Eisen und Kalzium sowie Vitamin C, Vitamin D und den Vitamin-B-Komplex. Der Jodbedarf in der Schwangerschaft steigt zwar nur um rund 15%, jedoch sind die meisten Frauen hierzulande ohnehin unterversorgt. Eine wesentlich höhere Aufnahme von Jodsalz und fischreicher Kost allein kann das Defizit nicht ausgleichen, sodass eine Nahrungsergänzung mit Jodtabletten (200 mg/Tag) empfohlen wird. Zu den typischen Jodmangelerscheinungen von Ungeborenen und Säuglingen zählen eine erhöhte vorgeburtliche Todesrate sowie geistige und körperliche Fehlentwicklungen wie Kropfbildung und Wachstumsverzögerungen. Hierzulande haben viele Frauen einen Folsäuremangel, der sich durch eine Blutuntersuchung feststellen lässt. Um der Gefahr eines Neuralrohrdefektes wie dem offenen Rücken wirksam zu begegnen, sollten Frauen mit Kinderwunsch mindestens vier Wochen vor Beginn der Schwangerschaft und bis zu acht Wochen nach der Empfängnis 350 Mikrogramm Folsäure pro Tag als Nahrungsergänzung zu sich nehmen.

 

Was die normale Mischkost nicht leisten kann

Der zusätzliche Bedarf von 6 Milligramm verfügbaren Eisen kann nach dem zweiten Schwangerschaftsdrittel kaum durch normale Mischkost, geschweige denn durch vegetarische Ernährung gedeckt werden. Abhilfe schafft die Verschreibung eines Eisenpräparates.
PD Dr. Birgit Seelbach-Göbel/Chefärztin der Frauenklinik St. Hedwig der Universität Regensburg gibt darüber hinaus zu bedenken, dass bei rein pflanzlicher Kost die Kalziumaufnahme wegen des hohen Gehalts an Phytat, Oxalat und Ballaststoffen beeinträchtigt wird. Die durchschnittliche Kalziumzufuhr junger Frauen betrug nach der VERA-Studie nur etwa die Hälfte der empfohlenen Menge. Mehrere kontrollierte Studien zeigten deutlich, dass sich bei einer Kalziumzufuhr von 1,5 - 2 Gramm pro Tag das Risiko für einen durch die Schwangerschaft hervorgerufenen Anstieg des Blutdrucks vermindern lässt. Eine ausgeglichene Vitamin D-Aufnahme begünstigt außerdem die Kalziumresorption. Verlässliche Vitamin-Lieferanten sind Gemüse, Obst und Salate (nach Möglichkeit fünf Portionen täglich). Das Angebot von Multivitamin-Präparaten ging in Fallkontrollstudien mit einer Verringerung von angeborenen Fehlbildungen des Herzens, des Gesichtes, der Gliedmaßen und der ableitenden Harnwege einher. Eine generelle Empfehlung für die Aufnahme von Multivitamin-Präparaten in der Schwangerschaft kann jedoch daraus nicht abgeleitet werden. Hier gilt die Empfehlung des behandelnden Gynäkologen, der etwaige Risiken für den Fetus und die werdende Mutter im Hinblick auf eine Mangelernährung abschätzen kann.

 

Risikogruppen von besonderer Bedeutung

Eine der schwierigsten Aufgaben im Rahmen der Betreuung von Schwangeren ist die Beratung und Führung von alkoholkranken sowie drogen- und medikamentenabhängigen Frauen. Neben der toxischen Gefährdung des ungeborenen Kindes tut die Mangelernährung ein Übriges und die Risiken potenzieren sich untereinander. Darüber hinaus wird häufig der Zigarettenkonsum zu einem gewichtigen Gesundheitsproblem. In Abhängigkeit von der täglichen Nikotindosis ist die Rate der vorgeburtlichen Wachstumsverzögerungen sowie Früh-, Fehl- und Totgeburten deutlich erhöht.

 

Fazit

In der Schwangerschaft erhöht sich der Bedarf an einigen lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen stärker als der Energiebedarf. Grundsätzlich gilt im Verlauf einer Schwangerschaft: Keine Diät auf eigene Faust! Ob eine Diät zur Gewichtsregulierung, Entwässerung oder bei Diabetes (Gestationsdiabetes) notwendig ist, muss der behandelnde Gynäkologe entscheiden. Die Auswahl der Lebensmittel sollte sich in der Regel nach folgenden Gesichtspunkten richten: Weniger Energie, dafür aber reichliche lebenswichtige Nährstoffe. Diese sind in pflanzlichen Lebensmitteln wie Gemüse, Obst, Kartoffeln und Vollkornprodukten enthalten. Außerdem empfiehlt sich, auch tierische Lebensmittel wie fettarme Milch, mageres Fleisch und Fisch in den Speiseplan einzubeziehen. Süßwaren und Gebäck sowie gesüßte Getränke enthalten reichlich Energie, aber kaum Vitamine und Mineralstoffe. Sie sind daher in der Schwangerschaft weniger geeignet.
Wichtig: Wegen der Gefahr einer Toxoplasmose sollten Schwangere auf den Verzehr von rohem Fleisch und Rohwurst verzichten. Eine weitere Vorsichtsmaßnahme ist der grundsätzliche Verzicht auf Rohmilch und Weichkäse aus Rohmilch. Es könnten die so genannten Listerien (Bakterien), die Früh- und Totgeburten verursachen, auf das ungeborene Kind übertragen werden.

 

Der Berufsverband der Frauenärzte möchte mit diesen Anregungen auf die Bedeutung einer vollwertigen Ernährung von Mutter und Kind hinweisen.


 
 

 
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